005 Verborgene Kammern

Auftrag: Sicherung und Kartographierung der neu entdeckten Kammern in den Ruinen in den Gelbsteinhöhen

Durchgeführt von:

Mitte Februar reisten wir mit dem Boot den Trokkan hinauf bis Lashakan, von wo aus wir mit der Kutsche unseren Weg bis zur Wegstation am Fuß der Gelbsteinhöhen fortsetzten. Unterwegs hielten wir einen Tag in Tulakes um einigen Gerüchten über die Höhen nachzugehen, allerdings war dabei nichts sonderlich aufschlussreich für unseren Auftrag. Einzig erfuhren wir, dass Hohe Schwester Layalia im Dorf zwei “Taugenichtse” oder “Unruhestifter” abgeholt hatte, die dort ein halbes Jahr im Wirtshaus gewohnt hatten, wohl immer brav bezahlt hatten, aber auch gelegentlich in Schlägereien verwickelt gewesen waren.

Von der Wegstation aus wanderten wir auf gut Glück in die Höhen (sollten weitere Expeditionen uns in solches Gebiet führen wird stark dazu geraten sich vor Abreise aus Madara um eine Karte zu bemühen!), kamen allerdings gut voran, und dank Monty’s Schutzmasken machten uns die Schwefeldämpfe nur wenig aus. Nur kurz vor unserem Ziel, dem höchsten Gipfel in den Höhen, begegnete uns ein Erdelementar, das durch den landschaftstypischen Schwefel in Flammen stand. Eine freundliche Kontaktaufnahme scheiterte leider, wodurch Kemuel verletzt wurde, allerdings konnte Kranos es magisch davon überzeugen uns in Ruhe zu lassen und in die Ferne zu gehen. Laut den Legenden von Kranos’ Volk könnte eine Aggressivität von Erdelementaren auf einen Konflikt auf ihrem Land zurückzuführen sein, aber uns fiel kein passender Konflikt zur Zeit ein oder auf, der der Grund für diesen Zwischenfall sein könnte.

In dem Kessel am Gipfel des Hügels fanden wir dann die uns beschriebene Zeltstätte der Ausgrabungs- und Forschungstruppe der Universität. Jener war zu diesem Zeitpunkt bereits sehr ungeduldig, da sie seit Jahresanfang, als sich in der Nacht plötzlich in den sonst recht überschaubaren Ruinen ein Eingang aufgetan hatte, von Layalia und ihren beiden Helfern davon abgehalten wurden die neuen Kammern zu betreten. Wir konnten den Expeditionsleiter Baro Jasnikson davon überzeugen uns mit Layalia reden zu lassen um vielleicht etwas am Status Quo zu ändern und gaben uns dann der Hohen Schwester zu erkennen, die zu diesem Zeitpunkt ob ihres Pflichtbewusstseins bereits sehr erschöpft war. Sie führte uns zur Ruine, welche im Grunde nicht mehr als die Umrisse von Grundmauern waren, welche wohl mit Hilfe von Magie aus dem selben Schwarzen Stein aus dem auch der Berg bestand erschaffen worden waren. An der Westseite hatte sich ein Abgang zu einem Durchgang in der Mauer aufgetan, der Tag und Nacht von einem der beiden Schatten in Layalias Dienst bewacht wurde.

Ohne Layalia stiegen wir hinunter und fanden nach mehreren Treppen einen Gang aus kristallinem Material vor uns, in dem unsere Schritte weniger hallten als auf Stein. Monty erkannte unter dem Kristall im Gang Muster aus weiterem, grünen Kristall, die gerade Linien und rechte Winkel entlang der Wand bildeten. Am Ende des Ganges tat sich ein größerer Raum auf, in dessen Mitte ein Podest mit einer Halbkugel darauf stand, in welche drei bunte Kristalle, die sich später als Knöpfe erweisen würden, eingelassen waren. Von diesem Raum gingen drei weitere Gänge weg, an jeder Wand einer; vom Podest aus führten weitere Linienmuster, diesmal in den Farben der jeweiligen Kristalle, zu den Durchgängen: grün nach links und wo wir hergekommen waren, orange geradeaus, und blau nach rechts. Weiters standen in den vier Ecken je drei merkwürdige in goldene Rüstungen gekleidete Statuen aus Kristall, etwas über 2 m groß und die Rüstungen in unglaublich geschickter Handwerkskunst gearbeitet; Monty erinnerte sich bei diesem Anblick an eine Gnomenlegende, nach welcher die Inspiration für die Stählernen Protektoren in Orthongor von den Urvätern gekommen war. Kosimo vermutete einen Zusammenhang zwischen den Farben der Kristalle und den Farben der Magielehre, wonach orange für Illusions-, grün für Beschwörungs- und blau für Abjurationsmagie gestanden hätte.

Der linke Gang führte zu einer Kreuzung, die weiter zu drei Räumen ging: links war ein Raum mit vertrockneten Bäumen und sträuchern, alle nicht wirklich heimisch in dieser Umgebung. Im rechten Raum fanden wir das erste von vielen hohen tisch-artigen Konstrukten aus weißem Kristall, sowie ein Steinbeet, in dem ein Muster aus unzähligen weißen und schwarzen Steinen aufgelegt war; alle Steine waren oval, glatt und vollkommen ident in Größe und Form; dieser Raum strahlte auch ein sehr positives Gefühl der Ruhe aus. Im Raum geradeaus stand ein weiterer dieser Tische und ein Regal, das aus der Wand kam, und auf das mehrere kristalline Platten wie Bücher eingeordnet waren. Nichts davon wirkte magisch, aber nahm man eine dieser überraschend leichten Platten in die Hand begann Text darauf aufzuleuchten. Leider war er in einer Sprache, die keiner von uns lesen konnte, allerdings sind gewisse Ähnlichkeiten zwischen dieser Schriftart und dem drakonisch-primordealem Skript zu erkennen, auch wenn die Buchstaben sich ganz anders verhalten zu scheinen.

Der rechte Gang vom Hauptraum aus führte in einen größeren, 4 m hohen Raum mit vier Kristalltischen in ähnlicher Größe wie in den anderen Räumen, sowie ein größerer. An der rechten Wand fand sich ein weiterer Durchgang in einen kleinen Raum mit einem kristallenem Regal, auf dem verschiedenste Dinge eingeordnet waren, die alle Kunstgegenstände zu sein schienen: kantigen Statuetten von Tieren und einem Apfel, ein kantiger Würfel aus einer einzigen Metallstange gebogen, viel Abstraktes, und alles aus verschiedensten Materialien, Gemälde auf Kristallplatten in unglaublichen Farben und Formen und ohne sichtbare Übergänge zwischen den Farben.

Der Gang geradeaus vom Hauptgang unterschied sich von den bisherigen Gängen, da das letzte Stück Boden vor dem Raum, zu dem er führte, mit verschiedenfarbigen Fliesen ausgelegt war. Wir fanden heraus, dass die weißen Fließen den einzigen sicheren Weg boten, und waren später sehr froh, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Kristalle am Pult gedrückt hatten, da sie die jeweiligen Gänge in den entsprechenden Farben aufleuchten ließen und die weißen Skizzen im Licht nicht mehr von den orangenen zu unterscheiden gewesen wären. Im Raum selbst befanden sich zwei nach vorne offene Kabinen aus orangenem Kristall und ein weiteres Podest mit einer Halbkugel, in welche hier zwei Kristalle eingelassen waren, einer weiß, einer schwarz. Die Theorie mit der Magielehre wurde an dieser Stelle etwas verworfen, da Hellsicht-Magie und Nekromantie wenig mit dem eigentlichen zweck der Knöpfe zu tun hat – die beiden orangenen Kabinen waren Aufzüge und die Knöpfe standen für die beiden durch sie erreichbaren Stockwerke.

Unten führte vom Aufzugsraum ein weiterer Gang zu einer Kreuzung, in deren Mitte ein weiteres dieser Schaltpulte mit drei Steinen war, diese blau, orange und weiß. Rechts führte ein Durchgang in einen Raum mit mehreren dieser Kristalltische, auf denen ähnliche Kristallplatten wie in dem Raum mit dem Regal oben lagen, und über denen kristalline Formen aus der Decke gewachsen zu sein schienen. Unter den verschiedenen Platten fand ich eine brüchige Glasplatte mit Markierungen, die ich als das Sternbild “Der Palast” erkannte. An der Wand gegenüber vom Eingang befand sich eine große Metallplatte, auf der ein Schriftzug in der selben Schrift wie oben war, und darunter vermutlich das selbe Motto in Primordeal, wie Kemuel uns übersetzen konnte:

“Wir, die wir forschen, tragen die Verantwortung,
für das, was es gilt zu entdecken,
für die, die es gilt zu beschützen,
für das, was es gilt zu ergründen.

Octavis Septimus – Errichtet unter Schmiedemeister Proteus Singularis
Die Sterne sind greifbar – die Zukunft liegt über uns!”

Links vom Schaltpult aus war – überraschend in seiner Simplizität, verglichen mit dem Aufzug – eine Metalltür in die Wand eingelassen. Gegenüber vom Aufzugraum war eine Art Tür aus orangenem Kristall in die Wand eingelassen, links daneben befand sich ein kleiner Kristallkasten in der Wand, auf dem ein merkwürdiges Rätsel auftauchte, bei dem wir aus uns unbekannten Schriftzeichen das letzte fehlende einsetzen mussten. Während Kranos und ich noch daran herumprobierten, drückte Monty die Metalltür auf und er, Kemuel und Kosimo betraten den Raum dahinter.

Was folgt wurde mir hauptsächlich von Kemuel im Nachhinein geschildert: Als die drei in den Raum kamen, sahen sie zwischen zwei Stalaktit- und Stalagmit-artigen Gebilden aus schwarzem Kristall in der Mitte des Raumes ein blendend helles, surrendes Licht schweben, das eine unglaublich faszinierende Wirkung auf sie alle auswirkte. In den Ecken waren ebenfalls Haufen dieses schwarzen Kristalls, und von dem Gebilde in der Mitte gingen Linien aus Gold im Boden in Kreisen und Linien zu den Ecken (siehe Zeichnung). Wurde der weiße Kristall am Pult draußen gedrückt, leuchteten die Wände weiß. Während sie sich diesen Raum ansahen, fasste Kosimo mit seiner Hand ins Licht und konnte sich plötzlich nicht mehr davon lösen und es breitete sich über ihm aus. Als Monty das bemerkte, versuchte er ihn vom Licht wegzuziehen, wurde aber ebenfalls in dieser Lichtwelle gefangen. Kemuel rief nach uns um Hilfe und Kranos und ich schafften es ein Seil zwischen Kosimo und dem Licht zu spannen, mit welchem wir sie wegziehen wollten. Aber als wir uns mit all unserer Stärke gegen sie stemmten, verschwand das Licht mit einem Mal plötzlich und wir alle landeten am Boden. Kosimo war unglaublich erschöpft, Monty ging es nur wenig besser, aber er konnte erzählen, dass das Licht wie eine Welle an Macht über und in sie gebrochen war – es wäre überwältigend gewesen. Kranos konnte bestätigen, dass sie noch sie selbst waren, wenn sie auch mindestens so verwirrt waren wie wir.

Nachdem klar war, dass keiner der beiden sich in unmittelbarer Lebensgefahr befand, versuchten wir unser Glück nochmal am Rätsel an der Tür, und tatsächlich trug Kranos das richtige Symbol ein, auch wenn uns bisher noch nicht klar ist warum es dieses Symbol war. Dahinter fanden wir einen Raum mit weiteren Regalen und Kristallplatten in der unbekannten Sprache.

Wir kehrten an die Oberfläche zurück und erstatteten Bericht bei Layalia, welche meinte, dass diese Kristallstrukturen nicht gänzlich unbekannt, aber extrem selten und begehrt waren, und dass alles gesichert werden müsse. Nachdem wir für ein paar Stunden sie bei der Wache ablösten um ihr etwas Schlaf zu ermöglichen, machten wir uns wieder auf den Heimweg nach Madara.

Gez. Y. C. L. D.-R.

Glasplatte mit Sternbild „Der Palast“

Anbei Monty’s Skizzen der Ruine und der Kammern, sowie Kemuels des Rätsels:

Rätsel 1 (Lösung falsch)
Rätsel 2 (Lösung richtig)

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