011 Die Höhle des Löwen

Auftrag:

In Lashakan scheint eine Organisation am Werk zu sein, die Magier und magisch Begabte einfängt, wobei es sich nicht um gewöhnliche Sklavenhändler handeln dürfte. Außerdem sind sämtliche Schatten, welche in der Gegend mit Nachforschungen beauftragt wurden, verschwunden. Aus diesem Grund wurden wir geschickt um allen bisherigen Spuren in der Stadt nachzugehen und Informationen zu sammeln.

Teilnehmer:

Vor unserer Abreise nach Lashakan wurden uns von der Meisterin der Zungen noch offizielle Handelspapiere zur Verfügung gestellt, die uns als Woll- und Seidenhändler aus Golhiri ausgaben und einer oberflächlichen Inspektion standhalten sollten. Des Weiteren vermittelte sie uns, dass wir uns nicht um die verschwundenen Schatten kümmern sollten, da die meisten von ihnen vermutlich sowieso bereits tot sind.

Nach einer dreitägigen Anfahrt mit der Kutsche erreichten wir schließlich die Provinzhauptstadt, wo wir, unserer Tarnung gerecht, in der “Narzissenharfe” in der Ratsstadt unterkamen. Da wir kein Aufsehen erregen wollten, ging Tershegox meist verkleidet auf die Straße, und weil wir vermuteten, die 13 Dolche könnten in der Stadt sein und einige von denen mich letztens gut zu Gesicht bekommen hatten, tat ich es ihm gleich. Unseren ersten Abend in der Stadt verbrachten wir damit uns generell umzuhören, dazu jedoch später mehr.

Am folgenden Tag bemühten wir uns ein Privatgespräch mit dem Händler Sharokk Wagenmeister aus dem Feuerhaus zu bekommen, was uns mit Hilfe unserer Tarnung und unter dem Vorwand einen dauerhaften Lieferanten für Indigo aus Quas-Ellin zu suchen, auch für den nächsten Tag gelang. Interessanter war allerdings, was Dari beim abendlichen Umtrunk in einer Hafenspelunke von Wagenmeisters elementaren Angestellten erfahren konnte. Neben der Aussage, dass sie manchmal in Kisten nicht reinschauen durften, war vor allem spannend, dass es anscheinend ein seltsames Lagerhaus gab, das, weil beim Bau der Kanal eingebrochen war, nie ganz fertig gebaut worden war und eigentlich nicht in Betrieb stehen dürfte. In letzter Zeit waren die Genasi öfter dafür bezahlt worden Kisten in eben dieses Haus zu verladen.

Noch in der selben Nacht machten wir uns im Hafen auf die Suche nach Dock 7 und dem Lagerhaus, was uns nach etwas Verwirrung über die Galshan’sche Nummerierung auch gelang. An den unverputzten Mauern des Hauses fielen uns weder magischer Schutz, noch irgendwelche Markierungen auf. Wir verschafften uns unauffällig Zutritt und sahen uns um. Während der Großteil des Innenraums verstaubt und verschmutzt war, war der Bereich um die Wagenzufahrt wohl öfter in Betrieb. In einigen leeren Kisten, die dort lagerten, fanden wir Spuren von Körperflüssigkeiten und Schlägen, die wohl von innen gekommen waren – in diesen Kisten waren Personen transportiert worden. Schleifspuren führten uns zu dem Bretterverschlag, der um den eingestürzten Kanal errichtet worden war. Ein etwa 3 m breiter Bereich ließ sich einfach wegheben. Dahinter erkannten wir die Stelle, an der der Boden eingebrochen war, und durch die man über eine angebrachte Trittleiter in die Kanalisation gelangte, was wir auch taten. Unser erster Verdacht war, dass die Entführten entweder am Fluss unten weiter verladen wurden, oder ihre Leichen dort entsorgt wurden, allerdings fanden wir dort ein unbewegliches Gitter. Auf dem Rückweg bemerkten wir ein Licht in einem der abzweigenden Gänge, und als wir ihm nachgingen trafen wir auf einen äußerst verdreckten Erdgenasi, der auf den klingenden Namen “Das geht dich einen Scheißdreck an!” hörte und uns mit einem rostigen Messer bedrohte. Wie wir erfuhren leben anscheinend eine ganze Menge Leute in der Kanalisation der Stadt. Einer von ihnen, ein Mensch namens Talan, bezeichnet sich selbst als ihr König, dem die anderen dienen. Im Tausch gegen einen Dolch erzählte der Genasi uns, dass hin und wieder Leute von dem Einstieg im Lagerhaus herunterkamen und dass der Untergrund-König seinen Leuten befohlen hatte diese in Ruhe zu lassen und sich von dem Gebiet vom Einstieg aus weiter stadteinwärts, wo gebaut wird, fernzuhalten. Da er uns sonst nicht viel verraten wollte/konnte, gingen wir unserer Wege und verwischten auf dem Weg aus dem Lagerhaus unsere Spuren.

Am nächsten Tag hatten wir gegen Abend das Treffen bei Sharokk Wagenmeister, das jedoch leider recht ereignislos verging. Tershegox erkaufte uns zwar jede Menge Zeit, indem er einen Vertrag für Indigolieferungen aushandelte, jedoch nützte Dari und mir das wenig, da wir im Vorraum unter ständiger Bewachung durch einen Drakonier standen. Nach Feierabend in die Büroräume einzusteigen war leider auch keine Möglichkeit, weil das Gebäude anscheinend nie leer stand.

Als wir unsere Spuren nochmal durchgingen, fiel uns etwas ein, was wir an unserem ersten Tag aufgeschnappt hatten, nämlich, dass es Beschwerden über den Großpriester Nadar Seelenwohl aus dem Feuerhaus gab, weil er angeblich unlautere Mittel verwendet habe um einigen metallenen Drakoniern und Elementaren ihre Häuser abspenstig zu machen. Unsere Nachforschungen ergaben, dass es sich bei dem betroffenen Gebiet um die Häuser an beiden Seiten der Grenzbrückenstraße, der großen Straße, die zur Schwingenbrücke über den Trokkan hinüber nach Sagos führt, handelt. Die Gebäude waren von Nadar aufgekauft worden, wobei sich einige Leute erst gegen den Verkauf geweigert hatten, dann angeblich sehr unsanft behandelt worden waren, und schließlich doch verkauft hatten und von ihren Anschuldigungen (ebenso unfreiwillig) zurückgetreten waren. Einige Gebäude am Übergang zwischen Hafenstadt und Burgstadt waren wohl auch schon vor einiger Zeit gekauft worden, da darunter der Kanal ausgebaut wird, was unseren Verdacht erhärtete, dass es sich hierbei um die Baustelle handelte, die der Untergrundbewohner erwähnt hatte. Als wir die Grenzbrückenstraße abgingen, fielen uns in den Seitengassen neben Baumaterial und Bauschutt auch einige teils hochwertige Kisten auf, die das Symbol von Sharokk Wagenmeister trugen.

Wir warteten in unserer Taverne bis die Straßen am Abend leerer wurden und kehrten zur Grenzbrückenstraße zurück um uns die Baugruben genauer anzusehen. Vor praktisch jeder Grube standen zwei Wächter der Kanalwache, von denen wir uns zwei aussuchten und sie mit Hilfe von Bestechung ausfragten. Sie schienen nicht zu wissen was tatsächlich im Untergrund vor sich geht, werden aber dafür bezahlt nicht dort zu sein wo sie sein sollten, speziell in einem Areal, das sich zwischen den Docks und der Burgstadt erstreckt. In Folge gingen wir die komplette Länge der Baustelle ab und stellten fest, dass sie tatsächlich von ungefähr um Dock 7 bis zur Felswand der Burgstadt und vermutlich darunter weiter reicht. Für eine weitere Erkundung in der Kanalisation fühlten wir uns dann aber nicht ausgerüstet genug, vor allem auch weil wir diese Erkenntnisse unbedingt zurück nach Madara bringen mussten.

Was sich dort unter der Oberfläche abspielt, ist vor allem aus zweierlei Gründen interessant, nämlich werden einerseits im kommenden Herbst mehrere hohe Würdenträger aus Tessara über diese Straße zur Hochzeit zwischen Aarin Usiukin von Fristein und Sonnburg und Stadtrat Rakordio Glanzschuppe aus dem Wasserhaus anreisen und könnten demnach Ziel eines Anschlags sein, was die angespannte Situation zwischen den beiden Reichen zum Überkochen bringen würde. Dies greift in den zweiten Grund über, da wegen eben diesen Anspannungen die Galshan’sche Legion, die normalerweise nur im Kriegsfall ausrückt, in Lashakan in Bereitschaft ist, und zwar ist diese mit etwa 1500 bis 2000 ihrer knapp 20000 Mann in der Burgstadt stationiert. Das Schwert der Erde, der ebenfalls zur Hochzeit geladen ist und sich bereits in der Stadt befinden soll, dürfte ebenso dort untergekommen sein. Da sich die Baustelle unter die Burgstadt weiterziehen dürfte, sind sowohl die Würdenträger, als auch die Legion mögliche Anschlagsziele. Wie Meister Kandar in all dies passt konnten wir leider nicht feststellen, aber es ist offensichtlich, dass sich in Lashakan gewaltig was zusammenbraut.

Gez. Y. C. L. D.-R.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.